März 2017 - "Ort der Gnade" - Eindrücke von der PastorenEheFrauen-Tagung

Gerade komme ich von einer Auszeit mit fast fünfzig anderen Frauen, der PastorenEheFrauen-Tagung des Bundes Freier evangelischer Gemeinden.

 

Zum ersten Mal war ich dort, als unsere beiden älteren Söhne ein und 2 Jahre alt waren. Sie blieben nicht in der Kinderbetreuung und haben nachts schlecht geschlafen. Eines nachts war die letzte Milchpackung leer und der eine hat das halbe Haus zusammengeschrien... Es war also einigermaßen stressig  – und trotzdem war es eine sooo wertvolle Zeit für mich. Denn nicht die Vorträge waren damals wichtig für mich, sondern vor allen Dingen die herzliche Freundlichkeit untereinander, der offene Austausch und die gegenseitige Akzeptanz und Wertschätzung. Ich hatte das Gefühl von Frauen umgeben zu sein, die es „zutiefst gut mit mir meinen“. Mittlerweile ist es für mich eine jährliche "Auszeit mit Freundinnen", die ich nicht mehr missen möchte.

 

Besonders wertvoll empfinde ich jedes Jahr, die tiefe Gemeinschaft: Man wird nicht danach beurteilt, ob man in einer großen oder kleinen Gemeinde arbeitet, ob man jünger oder älter ist, der Dienst des Mannes gerade „erfolgreich“ ist - oder eher nicht, ob man schon lange im Dienst, oder gerade neu dabei ist…. Nein, man darf einfach so sein, wie man ist – es ist eine Wohltat für die Seele, so liebevoll angenommen zu sein. In einer solchen Atmosphäre lässt es sich gut leben.

Wenn ich früher von dieser Tagung nach Hause fuhr, war ich oft zutiefst dankbar für unsere Gemeinde. Ich war froh, dass wir von den Schwierigkeiten, die andere in ihren Gemeinden erlebten, verschont geblieben waren.

 

Dieses Jahr fahre ich mit gemischten Gefühlen nach Hause. Hinter uns liegt ein Konflikt, der unser Leben wie ein Tornado in den Grundfesten erschüttert hat. Wir haben ein Jahr hinter uns, in dem wir Dinge innerhalb der Gemeinde erlebt haben, von denen ich sonst immer nur gehört hatte: Alles, was man bisher dachte, gut zu können und gut zu machen, wurde hinterfragt. Alles, was Menschen früher besonders an einem geschätzt haben, wurde angegriffen. Man kommt sich vor, als wäre man in einer völlig anderen Kultur: alles, was man bisher gelernt hat, ist plötzlich bedeutungslos, Vertrautes und Gewohntes gibt es plötzlich nicht mehr, man weiß nicht mehr, wer es noch gut mit einem meint und wer nicht.

 

Die Gemeinschaft auf der Tagung tat gut. Ich habe von anderen Frauen gehört, dass auch sie schon ähnliche Erlebnisse hatten, wie wir im letzten Jahr: „Es geht nicht nur Euch so, wir haben das auch schon erlebt.“ „Ich weiß, wie Du Dich fühlst.“ „Auch wir wurden verleumdet und man ist mit uns nicht gut umgegangen“. Es war so wichtig für mich, diese Worte zu hören und diese Frauen zu sehen. Sie haben diese Krisen überwunden. Es scheint mir teilweise so zu sein, dass sie gestärkt aus diesen Situationen hervorgegangen sind. Es kommt mir so vor, dass sie ihre Grenzen besser kennen, ihre Bedürfnisse klarer kommunizieren können und ein wenig mehr wissen, wer sie sind und was ihnen wichtig ist.

 

Mir fallen aber auch liebe Freundinnen ein, deren Männer aus dem Dienst ausgeschieden sind und die jetzt nicht mehr zu unserer Tagung kommen. Pastoren und Pastorenehepaare, die durch Gemeindesituationen so sehr unter Druck gekommen sind, dass sie krank wurden. Manche von ihnen können nicht mehr als Pastor arbeiten und sind schon als junge Menschen in „Rente“. Bei anderen ist die Ehe auseinander und die Familie zerrissen. Auch dies ist Wirklichkeit. Eine tragische, schlimme Wirklichkeit. Nicht jeder Pastor und nicht jede Frau eines Pastors geht gestärkt aus einer Krise hervor.

In mir kriecht die Angst hoch: Was wird  unsere "Gemeindekrise" in mir auslösen? Wie wird sie mich verändern? Werde ich „gestärkt“ oder „geschwächt“ daraus hervorgehen? Das Tagungsthema hat mir auf jeden Fall total geholfen, klarer zu sehen! Meine „Königskindschaft“ hängt nicht an meinem Erfolg im Dienst oder an dem, wie Menschen über mich denken. Ich bin Gottes geliebtes Kind. Und Gott ist der König! Ich bin seine geliebte Tochter, ein Königskind, eine Prinzessin! Was für eine umwerfende, gewaltige Tatsache!

 

Das heißt nicht, dass Gott mich von allen harten Realitäten fernhält und mich in „Watte“ packt, nein! Zur Ausbildung eines Königskindes gehört zu lernen, sich in allen Situationen zu bewähren (vgl. Jakobus 1), denn jeder König und jede Königin wird in Extremsituationen kommen. Deshalb benutzt Gott schwierige Situationen, um mich zu formen und mich auszubilden.

 

Erinnern wir uns doch mal an Josef: Er wurde von seinen eigenen Geschwistern verraten und verkauft – und doch war er von Gott besonders geliebt. Gott hat seine schwersten Jahre genutzt, um ihn zu formen – dadurch wurde er vorbereitet auf seine Stellung als zweiter Mann im Land Ägypten! Unglaublich! Und auch Hiob musste deshalb leiden, weil er gottesfürchtig und gerecht war. Nicht, weil er gesündigt hatte oder einen Fehler begangen hatte. Ich bin getröstet durch diese Beispiele. Gott bildet seine Kinder aus - gerade durch harte Zeiten. Und noch etwas tröstet mich:  Nicht Menschen werden das letzte Wort haben, sondern Gott!

 

HERR, ich möchte Dir auch in dieser Krise vertrauen. Ich gebe Dir mein Herz und bitte Dich, es vor Bitterkeit zu bewahren. Ich möchte lernbereit sein. Hilf mir, den Menschen zu vergeben, die an mir schuldig werden – und vergib mir, wo ich an anderen schuldig werde. Ich möchte mich auch in dieser Situation an Dir orientieren. Du sagst in Deinem Wort, dass wir uns freuen sollen, wenn wir in Schwierigkeiten und Anfechtung geraten. Herr, noch kann ich mich nicht darüber freuen, aber ich vertraue Dir! Ich erwarte von Dir, dass Du diese Situation nimmst und sie zum Guten wendest. Deine Wahrheit und Weisheit leite mein Herz und meine Gedanken! Du bist mein Vater, und Du bist der König!

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Moni Castro (Dienstag, 21 März 2017 16:11)

    Liebe Judith, Danke dass du das alles mit uns teilst, und finde es schön dass du das Bild genommen hast. Bless, Moni.