DIE MACHT DER WORTE

Wer kennt es nicht - das Gefühl, wieder einmal mit Worten verletzt zu haben, nicht die richtigen Worte gefunden zu haben oder an falscher Stelle geschwiegen zu haben. Ungefähr 16.000 Mal treffe ich nach neuesten Forschungen jeden Tag die Entscheidung, was ich sage und wie ich es sage. Vorher ist die Entscheidung gefallen, ob ich überhaupt etwas sage. Es ist ein lebenslanger Lernprozess, zur rechten Zeit die passenden Worte zu finden.

Weil ich gemerkt habe, wie hilflos ich an manchen Stellen bin, mit Worten weise umzugehen, habe ich angefangen, mich mit dem Training der "Gewaltfreien Kommunikation" (GfK) nach Marshall B. Rosenberg zu beschäftigen. Rosenberg hat mit seinen Prinzipien der GfK in vielen Krisenherden der Welt Erfolg gehabt - er konnte vermitteln zwischen Israelis und Palästinensern, zwischen verfeindeten Straßengangs oder Politikern. Seine 4 Schritte der gewaltfreien Kommunikation helfen, Dinge so auszudrücken, dass sie andere nicht verletzen, sondern Wertschätzung und Empathie vermitteln - auch wenn es um heikle Themen geht. Etwas, was ich in in meinem persönlichen Umfeld lernen und umsetzen möchte!

Hier in meinen Worte, um was es geht:

 

1. Sage, was du beobachtest, ohne zu bewerten

2. Nimm deine Gefühle ernst und teile sie mit

3. Nimm deine eigenen Bedürfnisse wahr und drücke sie aus

4. Bitte um das, was dein Leben bereichert

Viele große Firmen nehmen diese Prinzipien als Grundlage einer wertschätzenden Feedbackkultur und schulen ihre Mitarbeiter, auf diese Weise zu kommunizieren. Meiner Meinung nach wäre dies ein wichtiges Training auch für christliche Gemeinden, um Konflikten vorzubeugen oder in Konflikten angemessen zu kommunizieren.

 

Aber auch im privaten Bereich - für jedes Ehepaar und jede Familie sind diese Prinzipien wertvoll. Gewaltfreie Kommunikation in der Familie umzusetzen bedeutet:

  • Verletzungen zu vermeiden
  • Familienmitglieder in ihrer Eigenwahrnehmung und ihrem Selbstbewusstsein stärken
  • konfliktträchtigen Themen nicht aus dem Weg zu gehen
  • Situationen als Eltern nicht autoritär zu lösen, sondern wertschätzend, einfühlsam und in Kooperation mit den Kindern

Die Prinzipien der GfK helfen einem, Dinge frühzeitig anzusprechen und das, was einen stört, nicht einfach hinunterzuschlucken und irgendwann zu explodieren. Man legt damit die Grundlage für eine tiefe und empathische Kommunikation untereinander. Gerade wenn die Kinder Teenager werden oder das Leben einen mit zu vielen Alltagssorgen und Verpflichtungen überrollt, geht das nur allzuleicht verloren.

In Beziehungen zu leben, wo Menschen diese Prinzipien im Miteinander umsetzen, ist unglaublich wohltuend und heilsam. Es sind wunderbare Beziehungen und Freundschaften, frei von Vorwürfen und Schuldzuweisungen, frei von Manipulation und Macht.

Immer noch bin ich berührt über die Frauen, die sich mit mir am 22. April dem Thema "Die Macht der Worte" gestellt haben. Ich hoffe, ich konnte ein wenig sensibilisieren für eine weise Kommunikation untereinander. Danke für Eure Offenheit und Bereitschaft, mitzumachen!

Jetzt noch ein wunderbares Highligt aus meiner eigenen Familie: Seit Monaten rede ich auch mit unseren Kindern über das Thema "Die Macht der Worte", lege bei langen Autofahrten CD's von Marshall Rosenberg ein und erinnere sie an die Prinzipien der GfK - und nein!, sie finden es nicht toll. Eher: "Oh nee, Mama, nicht schon wieder."

 

Als jetzt die Abiturprüfung unseres Ältesten bevorstand, waren wir schon ein wenig besorgt, welches Thema wohl dran kommt. Gerade beim "Essay" (die Sparte, wo man sich am wenigsten vorbereiten kann und die unser Sohn sich ausgesucht hat) kommt es so stark auf das Thema an. Und nun - welches Geschenk: Das Thema dieses Jahr war "Die Macht der Sprache". Als er nach Hause kam, meinte er, er hätte alles schreiben können, von dem ich in letzter Zeit gesprochen habe... An alle Mütter: Unsere "Predigten" sind manchmal doch hilfreich! Manchmal kommt der Dank von den Kindern nur etwas später. Danke Gott für dieses besondere Geschenk!

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Kommentare: 1
  • #1

    Julia (Donnerstag, 04 Mai 2017 09:49)

    Hallo liebe Judith,
    Ich habe diesen Tag mit dir sehr genossen. Danke, dass du für uns kölner Frauen nach Köln gekommen bist. :)
    Ich freue mich über das Rolle Beispiel, dass du von Josias Abitur berichtest. Gott ist wunderbar! Er behüte euch weiterhin,
    Gott befohlen, Jule